Hacker-Underground – darum geht’s diesmal in meiner Blog-Reihe „Retro-Tech Lesetipps“!
Ich nehme Dich mit rein in die Welt der Hacker-Elite der 80er- und 90er-Jahre, erzählt in dem Buch „Underground“ von Suelette Dreyfus, recherchiert gemeinsam mit Julian Assange.

Wenn Du Dich für den Hacker-Underground jener Zeit interessierst, ist dieses Buch für Dich sehr zu empfehlen!
Ich hab’s in einem Rutsch durchgelesen und wollte es kaum aus der Hand legen. Warum, erfährst Du in dieser Rezension.
Über das Buch: Hacker-Underground pur
„Underground: Tales of Hacking, Madness and Obsession on the Electronic Frontier“ (so der englische Originaltitel) ist von 1997. Autorin ist die Australierin Suelette Dreyfus, die Recherche dazu haben Dreyfus und Julian Assange gemeinsam gestemmt – ja, der Assange, der später mit WikiLeaks (und leider seiner anschließenden Verfolgung) weltbekannt wurde. Zu der Zeit war er allerdings selbst noch mitten in der Hacker-Szene unterwegs.
Für das Buch haben die beiden zusammen nach eigenen Angaben zehntausende Seiten an Gerichtsakten und Ermittlungsunterlagen durchgearbeitet und mit den Beteiligten selbst gesprochen. Mehrere der porträtierten Hacker sollen im Nachhinein bestätigt haben, dass das, was da steht, auch so gestimmt hat.
Ein Detail wusste ich nicht und hat mich überrascht: Eine der Hauptfiguren im Buch trägt den Decknamen „Mendax“. Dahinter steckt Assange selbst. Als Teenager war er Teil der Gruppe „International Subversives“ und drang mit ihr in Netzwerke von NASA, US-Verteidigungsministerium und dem Telekom-Konzern Nortel ein. 1991 flog die Gruppe auf, als Assange beim Eindringen ins Nortel-System erwischt wurde – 1992 wurde er wegen 24 Hacking-Delikten schuldig gesprochen, kam aber mit Geldstrafe und Bewährung davon. Das Buch nennt aber nirgends echte Namen, nur Decknamen wie Phoenix, Electron oder eben Mendax. Aufgedeckt wurde Mendax‘ wahre Identität erst 2009 durch den Journalisten Richard Guilliatt – über zehn Jahre nach Erscheinen des Buchs und noch bevor Assange durch WikiLeaks weltbekannt wurde.
Von Hackern zu Security-Profis
Worum geht’s in „Underground“? Um eine internationale Hacker-Elite aus Australien, den USA und Großbritannien, die Ende der 80er und Anfang der 90er in Systeme von NASA, Militär und großen Telekom-Firmen eingedrungen ist. Nicht wegen Geld – aus reiner technischer Neugier und weil sie es konnten.
Dreyfus erzählt das nicht als Einzelporträt, sondern flicht mehrere Gruppen zusammen: die australische „The Realm“, die britische „8lgm“ und ein paar amerikanische Einzelkämpfer. Und wie so oft in der Hacker-Szene wechseln auch hier etliche nach ihrer Verurteilung in die legale Sicherheitsbranche. Pad und Gandalf, die Gründer von 8lgm, wurden als erste überhaupt unter dem britischen Computer Misuse Act verurteilt – Pad hat danach als Security-Consultant gearbeitet.
Par, der amerikanische Hacker im Buch, der sich zweieinhalb Jahre vor dem US Secret Service versteckt hat, ist nach seiner Haftzeit in die Cyberdefense-Branche gegangen.
Den Weg in die Cyber-Security gehen übrigens viele Hacker: Auch bei Kevin Mitnick war dies der Fall. Nach seiner Haftzeit wurde er ein gefragter Security-Experte bevor er 2023 leider viel zu früh verstarb. Sein Biografie „Das Phantom im Netz“ ist ebenfalls sehr lesenswert und von mir auf diesem Blog besprochen worden.
Meine persönliche Bewertung
Ich fand „Underground“ richtig gut! Spannend, keine Sekunde langweilig – ich konnte es teilweise gar nicht aus der Hand legen.
Man merkt dem Buch an, dass es eigentlich auch ein Roman ist. Klar, alles basiert auf Tatsachen, aber eben in Romanform erzählt. Man hat manchmal das Gefühl, die Autoren hätten direkt neben den Hackern am Schreibtisch gesessen und genau gewusst, was die gerade gedacht haben. Beim Lesen hab ich mir stellenweise gedacht: Da hat Dreyfus aber auch einiges reininterpretiert, gerade bei den Gedanken der Hacker. Im Nachhinein wird aber klar, warum das trotzdem glaubwürdig rüberkommt: Assange war ja selbst einer der Hacker und hatte dadurch einen ganz anderen Zugang zur Gedankenwelt der anderen, als es eine reine Außenstehende gehabt hätte.
Und dabei merkt man trotzdem, wie viel Recherche dahintersteckt – bei der Menge an Akten, die die beiden gesichtet haben, wundert mich das auch nicht.
Was ist aus den Hackern geworden?
Zwei der Geschichten gehen über das Buch hinaus weiter.
Julian Assange gründete später WikiLeaks, danach kam die lange Geschichte mit Botschaftsasyl und Auslieferungshaft. Seit einem Deal mit den US-Behörden 2024 ist er frei und lebt zurückgezogen in Australien.
Par, der US-Hacker, der sich vor dem US Secret Service versteckt hat und später in die Cyberdefense-Branche wechselte, ist Anfang 2026 gestorben. In der alten Hacker-Community gab es danach etliche Nachrufe auf ihn.
Zu den übrigen Protagonisten wie Phoenix oder Electron ist dagegen kaum noch etwas bekannt – sie sind nach ihren Verurteilungen offenbar komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden.
Fazit: Klare Leseempfehlung
Wenn Du Dich für die Anfänge des Hacker-Underground interessierst, führt an „Underground“ von Suelette Dreyfus und Julian Assange kein Weg vorbei. Spannend geschrieben, gut recherchiert – und mit einem Blick auf eine Szene, aus der viele Protagonisten später selbst auf der Seite der Verteidiger gelandet sind.

Das Buch ist unter anderem hier erhältlich:
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Weitere Buchrezensionen auf meinem Blog:
Das Phantom im Netz – Kevin Mitnick
Alle Roboter-Geschichten – Isaac Asimov