Stromversorgung in Deutschland 2026: Analyse der aktuellen Lage

Die Stromversorgung in Deutschland gilt als eine der zuverlässigsten der Welt – Strom ist einfach da, rund um die Uhr, fast ohne Ausfälle. Doch hinter dieser Fassade wächst ein strukturelles Problem.

Stromversorgung in Deutschland

Das Stromnetz und somit die Stromversorgung in Deutschland steht durch die Energiewende zunehmend unter Druck, die Gasspeicher haben im Winter 2025/2026 historische Tiefstwerte erreicht, und die Zahl der täglichen Noteingriffe im Netz hat Rekordniveaus erreicht. Dieser Artikel erklärt, was Begriffe wie Blackout, Brownout oder Gasmangellage wirklich bedeuten – und warum die Frage nach der Versorgungssicherheit in Deutschland gerade jetzt so wichtig ist.

Die Begriffe Blackout und Brownout klingen dramatisch – und werden im Alltag oft nicht richtig verwendet. Dabei lohnt es sich, genau hinzuschauen: Was beschreiben diese Begriffe eigentlich, und was bedeuten sie für die Stromversorgung in Deutschland?

Was ist eigentlich der Unterschied? Blackout, Brownout & Co. erklärt

Bevor wir uns anschauen, warum das deutsche Stromnetz gerade so unter Druck steht, klären wir zunächst die Begriffe. In der öffentlichen Diskussion werden sie oft durcheinandergeworfen – dabei beschreiben sie sehr unterschiedliche Szenarien.

Was ist ein Blackout?

Ein Blackout ist ein großflächiger, vollständiger Stromausfall, der ganze Regionen, Länder oder sogar mehrere Staaten gleichzeitig trifft. Er dauert typischerweise mehrere Stunden bis Tage und legt nicht nur Haushalte, sondern die gesamte kritische Infrastruktur lahm: Wasserversorgung, Mobilfunknetze, Krankenhäuser, Supermärkte und Tankstellen – alles hängt am Strom. Ein echter Blackout ist damit kein gewöhnlicher Stromausfall, sondern ein zivilisatorischer Ausnahmezustand.

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Englischen und bedeutet wörtlich „Schwärzung“ – gemeint ist das buchstäbliche Dunkelwerden ganzer Landstriche.

Was ist ein Brownout?

Ein Brownout ist kein kompletter Stromausfall, sondern eine bewusste oder ungewollte Absenkung der Netzspannung. Die Geräte hängen weiter am Netz, bekommen aber weniger Spannung als vorgesehen. Das kann dazu führen, dass Motoren heiß laufen und Schaden nehmen, elektronische Geräte abstürzen oder sich neu starten und etwa Kühlgeräte nicht mehr zuverlässig funktionieren. Kurz gesagt: Bei einem Brownout ist der Strom noch da, aber in schlechter Qualität – und genau das ist für viele Geräte auf Dauer problematisch. Vor allem für empfindliche (zB. Computer).

Brownouts können absichtlich herbeigeführt werden (als Notmaßnahme der Netzbetreiber, um einen totalen Zusammenbruch zu verhindern) oder unabsichtlich entstehen, wenn die Nachfrage das Angebot im Netz kurzzeitig übersteigt. In Deutschland sind Brownouts heute noch selten – aber mit zunehmender Netzinstabilität wird das Risiko größer.

Was ist ein Rolling Blackout?

Ein Rolling Blackout (deutsch: Rotationsausfall oder rollierender Stromausfall) ist ein gesteuertes, rotierendes Abschalten bestimmter Versorgungsgebiete, das Netzbetreiber im Notfall gezielt einsetzen. Dabei wird das Netz nicht vollständig abgeschaltet, sondern bestimmte Regionen werden reihum für 1–4 Stunden vom Strom getrennt – dann kommt es wieder, bevor das nächste Gebiet dran ist.

Das klingt drastisch, ist aber ein deutlich besseres Szenario als ein totaler Blackout – denn es verhindert einen unkontrollierten Zusammenbruch des Gesamtsystems. Mit den wachsenden strukturellen Belastungen des deutschen Stromnetzes wird auch hierzulande über Rolling Blackouts als Notmaßnahme nachgedacht.

Was ist ein lokaler Stromausfall?

Der klassische lokale Stromausfall ist das, was die meisten von uns schon einmal erlebt haben: Ein Kabel reißt, eine Sicherung fliegt, ein Umspannwerk hat einen Defekt – und ein Stadtteil oder eine Straße ist für einige Stunden dunkel. Dieser Ausfall ist begrenzt, schnell behebbar und berührt die Gesamtstabilität des Netzes nicht. Er ist der häufigste Fall, aber auch der harmloseste.

Alle vier Typen auf einen Blick

Begriff Ausmaß Dauer Ursache Gefährdung
Blackout Regional bis überregional Mehrere Stunden bis Tage Systemversagen, Katastrophe, Angriff Sehr hoch
Brownout Regional Minuten bis Stunden Überlastung, gezielte Absenkung Mittel (Geräteschäden)
Rolling Blackout Regional, rotierend 1–4 h je Gebiet Gesteuerte Notmaßnahme Mittel, planbar
Lokaler Ausfall Straße / Stadtteil Minuten bis Stunden Kabelschaden, Sicherung, Defekt Gering

Wie funktioniert die Stromversorgung in Deutschland?

Um zu verstehen, warum die Stromversorgung in Deutschland „unter Druck“ steht, muss man zunächst wissen, wie das Stromnetz funktioniert. Es ist ein hochkomplexes System – aber das Grundprinzip lässt sich leicht erklären.

Wie Strom vom Kraftwerk zur Steckdose kommt

Strom entsteht in Kraftwerken – egal ob Kohle, Gas, Wind, Solar oder früher Atom. Von dort wird er auf Höchstspannung (380.000 oder 220.000 Volt) transformiert und über das Übertragungsnetz über weite Strecken transportiert. Das ist nötig, weil hohe Spannungen die Verluste beim Ferntransport minimieren.

In Umspannwerken wird die Spannung schrittweise heruntergeregelt: zunächst auf Hochspannung (110 kV) für Industrie und Bahn, dann auf Mittelspannung (10–30 kV) für Stadtteile, und schließlich auf die 230 Volt, die aus Deiner Steckdose kommen.

Stromversorgung in Deutschland. Das deutsche Stromnetz - vom Kraftwerk zur Steckdose
Aufbau der Stromversorgung in Deutschland

Die 50-Hz-Frequenz: Das Herzstück der Stabilität

Das europäische Verbundnetz muss ständig im Gleichgewicht gehalten werden – und zwar genau auf 50 Hertz. Diese Frequenz ist der „Herzschlag“ des Netzes. Wenn mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, steigt die Frequenz über 50 Hz. Wird mehr verbraucht als erzeugt, fällt sie.

Klingt harmlos? Ist es nicht: Weicht die Frequenz auch nur um 0,2 Hz zu stark ab, schalten sich Kraftwerke automatisch ab – ein Kaskadeneffekt, der zum totalen Netzausfall führen kann. Liegt sie unter 47,5 Hz, sind alle Kraftwerke vom Netz – das ist dann ein Blackout.

Wer betreibt das Netz?

Das deutsche Übertragungsnetz teilen sich vier Unternehmen: 

50Hertz (Ostdeutschland), Amprion (Westen/Mitte), TenneT (Bayern, Teile des Nordens) und TransnetBW (Baden-Württemberg). Sie sind dafür verantwortlich, die Netzfrequenz stabil zu halten – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Darunter gibt es noch hunderte regionale Verteilernetzbetreiber, die den letzten Kilometer bis zu Deiner Steckdose verantworten.

Warum steht die Stromversorgung in Deutschland unter Druck?

Deutschland gilt offiziell noch als eines der zuverlässigsten Stromnetze weltweit – und das stimmt, gemessen an klassischen Ausfallstatistiken. Aber diese Statistiken beschreiben die Vergangenheit, nicht die Zukunft.
Ein Blick auf die Daten der Bundesnetzagentur, des Fraunhofer ISE und der Übertragungsnetzbetreiber zeigt, dass das System unter wachsendem strukturellen Druck steht – und das hat konkrete, belegbare Ursachen.

Das Überproduktions-Problem: Zu viel Strom zur falschen Zeit

Klingt absurd, ist aber real: Deutschland hat immer häufiger zu viel Strom. An windreichen Tagen im Norden oder an sonnigen Mittagsstunden im Sommer speisen Windräder und Solaranlagen mehr Energie ins Netz ein, als gerade verbraucht wird.

Im Jahr 2025 gab es bereits über 570 Stunden mit negativen Strompreisen – das bedeutet: Erzeuger mussten Strom buchstäblich verschenken (oder sogar dafür zahlen, dass jemand ihn abnimmt), weil das Netz die Energie nicht aufnehmen konnte. Das ist kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem.

Allein über 100 GW installierte Solarleistung sind heute in Deutschland am Netz – 2024 wurden 16 GW neu hinzugebaut. Hinzu kommen hunderttausende Balkonkraftwerke, die unkontrolliert einspeisen. Das Netz, das für diese Mengen ausgelegt werden müsste, hinkt dem Ausbau der Erzeuger massiv hinterher.

Balkonkraftwerke: gut gemeint, aber ein Problem fürs Netz?

Balkonkraftwerke sind für den einzelnen Haushalt sinnvoll und in Ordnung. Aber wenn hunderttausende dieser Mini-Anlagen gleichzeitig einspeisen – an einem Sonntagmittag im August, wenn Industrie und Gewerbe kaum Strom verbrauchen – dann summiert sich das zu einer erheblichen, schlecht planbaren Last. Da keine intelligenten Zähler vorhanden sind, fehlt vielen Netzbetreibern die Transparenz über diese dezentrale Einspeisung – was die Netzplanung erschwert und in Einzelfällen zu lokalen Spannungsproblemen im Niederspannungsnetz führen kann.

Seit Februar 2024 gilt deshalb eine Regelung, die besagt, dass Photovoltaikanlagen unter 25 kWp ohne intelligenten Zähler nur noch maximal 60 % ihrer möglichen Leistung einspeisen dürfen. Ein Notpflaster – keine Lösung.

Redispatch: Der teure Notnagel des Systems

Wenn das Netz an seinen Grenzen ist, greifen die Netzbetreiber mit sogenannten Redispatch-Maßnahmen ein. Einfach erklärt: Kraftwerke, die vor einem Engpass im Netz zu viel einspeisen, werden runtergeregelt – gleichzeitig werden hinter dem Engpass andere Kraftwerke hochgefahren, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Das klingt technisch, hat aber drastische Konsequenzen: Laut EWE-Netz gab es früher etwa 50 solcher Eingriffe pro Jahr – heute sind es über 5.000 Eingriffe jährlich. Allein bei diesem Netzbetreiber.

Deutschlandweit hat sich die Situation noch dramatischer entwickelt: Während in den 2000er Jahren nur 3 bis 6 Redispatch-Eingriffe pro Jahr nötig waren, mussten 2023 bereits über 15.000 Eingriffe und 2024 über 17.200 Eingriffe durchgeführt werden. Im Jahr 2025 wurde laut dem Energieexperten Stefan Spiegelsperger ein neuer Rekord erreicht: über 17.600 Notfalleingriffe. Diese Maßnahmen verursachten 2024 Kosten von 2,8 Milliarden Euro, 2023 waren es sogar 3,3 Milliarden Euro. Tendenz: weiter steigend.

Der Energieexperte Stefan Spiegelsperger (bekannt als „Mr. Blackout“) bezeichnet diese Eingriffe klar als „Notfalleingriffe“ und kommt zu einem eindeutigen Urteil:

„Vor 20 Jahren gab es rund drei bis sechs Notfalleingriffe im Jahr, im letzten Jahr waren es 17.600 Eingriffe – Tendenz steigend. Das zeigt, dass unser Netz immer instabiler wird. Wir haben derzeit das instabilste Stromnetz, das dieses Land die letzten 50 Jahre hatte.“

KANAL-EMPFEHLUNG:

Wer sich fundiert und sachlich über die Entwicklung der Stromversorgung in Deutschland informieren möchte, dem empfehlen ich den YouTube-Kanal „Energie & Outdoor Chiemgau“ von Stefan Spiegelsperger (auch bekannt als „Mr. Blackout“).

Der gelernte Elektriker und Fachjournalist für Energietechnik analysiert dort regelmäßig aktuelle Entwicklungen im deutschen Stromnetz, erklärt technische Zusammenhänge verständlich und liefert datenbasierte Einschätzungen zur Netzstabilität. Mit über 200.000 Abonnenten ist sein Kanal eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Energieversorgung und Krisenvorsorge in Deutschland.

Redispatch-Kosten und -Volumen im Jahresvergleich

Jahr Gesamtvolumen (GWh) Kosten (Mio. €) PV-Abregelung (GWh) Eingriffe / Jahr
(Deutschland)
2022 ~34.000 ~5.800 (Rekord, Energiekrise) k.A. k.A.
2023 34.297 3.335 706 ~15.200
2024 30.304 2.776 1.389 (+97 %) ~17.200
2025 ~20.500 (Q1-Q3)* ~1.960 (Q1-Q3)* ~2.560 (Q1-Q3)* ~17.600

* Vorläufige Zahlen für 2025 basierend auf den ersten drei Quartalen:
Q1: 8.997 GWh / 671 Mio. € / 234 GWh PV | Q2: 5.856 GWh / 623 Mio. € / 1.168 GWh PV | Q3: 5.650 GWh / 667 Mio. € / 1.157 GWh PV
Daten für Q4 2025 noch nicht veröffentlicht.

Quellen: SMARD Q1/2025, SMARD Q2/2025, SMARD Q3/2025, SMARD 2024, Stefan Spiegelsperger (Epoch Times)

Was diese Tabelle zeigt: Während in den 2000er Jahren nur 3-6 Redispatch-Eingriffe pro Jahr nötig waren, mussten 2023 bereits über 15.000 Noteingriffe durchgeführt werden – 2025 waren es über 17.600. Obwohl die Gesamtkosten seit dem Rekord 2022 gesunken sind, hat sich die Anzahl der Eingriffe vervielfacht und die PV-Abregelung 2024 fast verdoppelt (+97 %). Das Netz wird nicht stabiler – es wird lediglich durch immer häufigere, immer teurere Noteingriffe am Laufen gehalten.

Was bedeutet das für die Versorgungssicherheit?

Deutschland schneidet im europäischen Vergleich beim sogenannten SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index – die durchschnittliche Unterbrechungsdauer je Haushalt pro Jahr) sehr gut ab: 2024 lag der Wert bei 11,7 Minuten pro Jahr, 2023 bei 12,8 Minuten. Das 10-Jahres-Mittel liegt bei 12,7 Minuten. Laut Bundesnetzagentur zählt das deutsche Stromnetz damit im europäischen Vergleich zu den zuverlässigsten..

Aber: Dieser Wert misst nur abgeschlossene Ausfälle der Vergangenheit. Er sagt nichts darüber aus, wie stabil das System in der Zukunft sein wird. Die wachsende Anzahl an Redispatch-Maßnahmen, fehlende Speicherkapazitäten und ein im Vergleich zum Erneuerbaren-Ausbau hoffnungslos hinterherhinkender Netzausbau sind strukturelle Schwächen – die sich früher oder später in der Statistik niederschlagen werden.

Gasmangellage: Ein Risiko für die Stromversorgung in Deutschland

Wer über die Stromversorgung in Deutschland spricht, muss auch das Thema Gas im Blick behalten – denn Gas und Strom sind in Deutschland direkt miteinander verkoppelt. Erdgaskraftwerke liefern das wichtigste Backup für das Stromnetz und sind unverzichtbar für die Netzstabilisierung. Und genau hier zeigt sich im Winter 2025/2026 eine Schwäche, die nicht ignoriert werden sollte.

Historischer Tiefstand: Die Gasspeicher im Winter 2025/2026

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im Februar 2026 sind die deutschen Erdgasspeicher auf einen historischen Tiefstand gefallen – den niedrigsten Wert seit Beginn der europäischen Transparenzaufzeichnungen (AGSI+).

Gasspeicher-Füllstände Deutschland im Jahresvergleich

Datum / Zeitpunkt Speicherfüllstand Deutschland Einordnung
1. Februar 2024 ~76 % Sehr gut gefüllt
1. Februar 2025 ~58 % Unter Vorjahresniveau
1. Februar 2026 (gesetzl. Ziel) 30 % (Mindestvorschrift) Gesetzliche Pflicht
6. Februar 2026 30 % unterschritten Gesetzliche Marke verfehlt
17. Februar 2026 23,54 % Historischer Tiefstand seit 2011
18. Februar 2026, 12:00 Uhr 22,99 % Weiter fallend – Branche warnt ab 20 %

Quellen: AGSI+ (Gas Infrastructure Europe), Bundesnetzagentur, Aktuelle Lageberichte Februar 2026

Besonders alarmierend ist die regionale Schieflage: Die bayerischen Porenspeicher (Wolfersberg, Inzenham-West, Breitbrunn, Bierwang) sollten zum 1. Februar gesetzlich 40% Füllstand aufweisen – tatsächlich lagen sie Anfang Februar bei rund 19,9%, der Speicher Wolfersberg sogar bei nur noch etwa 6%. Bayern ist damit besonders verletzlich, sollte es zu einem Versorgungsengpass kommen.

Kritischer Schwellenwert: Ab einem Füllstand von unter 20% sinkt bei vielen Porenspeichern die Ausspeicherleistung überproportional – die Fähigkeit, Verbrauchsspitzen abzudecken, nimmt stark ab. Die offizielle Ausrufung einer Gasmangellage erfolgt in Deutschland bei Unterschreitung der 20-Prozent-Marke.

Der Notfallplan Gas: Was passiert bei einer Gasmangellage?

Deutschland verfügt über einen offiziellen Notfallplan Gas, der drei Stufen vorsieht:

  1. Frühwarnstufe (seit 1. Juli 2025 aktiv): Ein Krisenteam tritt zusammen, der Markt regelt die Versorgung eigenständig. Es gibt keine staatlichen Eingriffe.
  2. Alarmstufe: Erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung, aber der Markt kann die Situation noch eigenständig bewältigen.
  3. Notfallstufe: Der Staat greift ein. Die Bundesnetzagentur wird zum „Bundeslastverteiler“ und verteilt hoheitlich die knappen Gasmengen. Geschützte Verbraucher (Haushalte, Krankenhäuser, soziale Einrichtungen) werden priorisiert. Industriebetriebe können zur Reduktion ihres Gasverbrauchs verpflichtet werden.

Aktueller Status: Deutschland befindet sich derzeit in der Frühwarnstufe.

Gasspeicher-Füllstände Deutschland: Aktuell (18.02.2026) vs. 5-Jahres-Durchschnitt (Quelle: AGSI
Gasspeicher-Füllstände Deutschland: Aktuell (18.02.2026) vs. 5-Jahres-Durchschnitt

Mehr erfahren: Der vollständige Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland steht als PDF zum Download bereit: → Notfallplan Gas (PDF)

Weitere Informationen: Bundesnetzagentur – Hintergrundinformationen zum Notfallplan Gas

Warum niedrige Gasspeicher auch den Stromversorgung in Deutschland gefährden

Hier liegt der entscheidende Zusammenhang, den viele nicht auf beachten: Gas und Strom sind in Deutschland direkt miteinander verkoppelt.

Im Jahr 2025 haben Erdgaskraftwerke rund 52 TWh Strom ins öffentliche Netz eingespeist – und funktionierten dabei als unverzichtbares Backup, wenn Windkraft oder Solar nicht genug lieferten. Diese Gaskraftwerke sind auch die wichtigste Ressource für Redispatch-Maßnahmen zur Netzstabilisierung.

Wird Gas knapp und steigen die Gaspreise extrem, wird der Betrieb dieser Kraftwerke unwirtschaftlich oder unmöglich – mit direkten Folgen für die Netzstabilität. Kommt dann noch ein längerer Kälteeinbruch hinzu, der sowohl den Gasverbrauch als auch den Strombedarf in die Höhe treibt, entsteht ein gefährlicher Doppeldruck auf beide Netze gleichzeitig.

Ab einem Füllstand von unter 20 % sinkt bei vielen Porenspeichern die Ausspeicherleistung überproportional. Der Grund liegt in der Physik der Gasspeicherung: Mit sinkendem Füllstand nimmt der Lagerstättendruck ab. Dieser Druck ist aber zweifach essentiell:

  • Für die Entleerung: Der Druck treibt das Gas aus dem Speicher ins Netz. Bei zu niedrigem Druck müssen energieintensive Kompressoren einspringen, um das Gas überhaupt noch fördern zu können. Die Entnahmeleistung kann auf 30–50 % der Maximalleistung fallen.
  • Zum Schutz vor Wassereinbruch: Bei Porenspeichern herrscht ein Gleichgewicht zwischen Gasdruck im Gestein und Wasserdruck des umgebenden Grundwassers. Sinkt der Gasdruck zu stark, droht Wasser in den Speicherraum einzudringen (Water Coning) – was den Speicher dauerhaft beschädigen kann.

Das bedeutet: Selbst wenn rechnerisch noch Gas im Boden ist, kann es bei anhaltender Kälte nicht schnell genug gefördert werden, um Verbrauchsspitzen zu decken. Experten der Branche warnen deshalb eindringlich vor dieser physikalischen Grenze. Wir sind davon Mitte Februar 2026 nur noch wenige Prozentpunkte entfernt.

Zwischen Regierungsrhetorik und Realität: Die Versorgungslage im Februar 2026

Die Bundesnetzagentur betont, dass die Gasversorgung aktuell stabil sei und durch Importinfrastruktur (LNG-Terminals, Pipelinegas aus Norwegen und Belgien) gestützt werde. Ein milder Frühlingsbeginn würde die Lage schnell entspannen. Doch die Realität ist komplexer, als diese Verlautbarungen vermuten lassen.

Denn Stand 18. Februar 2026 häufen sich die Störungen genau in jener Infrastruktur, auf die sich die offizielle Entwarnung stützt. Drei gravierende Probleme treten gleichzeitig auf:

  • LNG-Terminal Mukran lahmgelegt: Seit dem 13. Februar ist der Eisbrecher „Neuwerk“ wegen eines technischen Defekts außer Betrieb. Der LNG-Tanker „Minerva Amorgos“ mit rund 170.000 Tonnen Flüssiggas sitzt seit zwei Wochen vor Rügen im Eis fest und kann nicht anlegen. Als Ersatz wurde der Schlepper „VB Bremen Fighter“ gechartert – kein vollwertiger Eisbrecher. Jeder Tankeranlauf ist zur Zitterpartie geworden.
  • Norwegische Gasinfrastruktur unter Druck: In einem der großen norwegischen Gasfelder ist eine kritische Unterwasserpumpe ausgefallen. Die norwegischen Gaslieferungen, die rund 44% des deutschen Gasimports ausmachen, laufen bereits an der technischen Kapazitätsgrenze. Jede Störung oder Wartung schlägt unmittelbar auf die deutsche Versorgung durch.
    Stefan Spiegelsperger (Energieexperte), YouTube-Analyse, 18.02.2026
  • US-LNG-Lieferungen verzögert: Der Wintersturm „Fern“ legte Ende Januar 2026 Teile der US-Gasproduktion lahm. In Texas und Louisiana froren Leitungen und LNG-Verflüssigungsstationen ein, rund 12% der Förderung fielen zeitweise aus. Gleichzeitig stiegen die Gaspreise in den USA so stark, dass LNG-Tanker auf dem Weg nach Europa umdrehten, um den heimischen Markt zu versorgen. Diese Verzögerungen werden in Deutschland erst mit rund zwei Wochen Verspätung spürbar – also genau jetzt, Mitte Februar.

Die Herausforderung für 2026/27

Der aktuelle Winter ist noch nicht vorbei – und die Gasspeicher sinken weiter Richtung 20%-Marke. Die Wetterprognosen für die kommenden Tage zeigen zwar mildere Temperaturen, doch die Heizperiode endet erfahrungsgemäß nicht im Februar. Auch im März und April kann es noch einmal kalt werden, und jeder zusätzliche Kälteeinbruch zieht weitere Gigawattstunden aus den Speichern.

Gleichzeitig steht bereits die nächste Heizperiode vor der Tür: Die Speicher müssen wieder befüllt werden. Bei anhaltend niedrigen Füllständen und den aktuellen Infrastrukturproblemen (LNG-Terminal Mukran, US-Lieferverzögerungen, norwegische Kapazitätsgrenzen) wird das zu einer logistischen und wirtschaftlichen Herausforderung.

Gasmangellage – Wer ist betroffen?

Falls die Gasversorgung kritisch wird, greift der „Notfallplan Gas“ der Bundesnetzagentur mit klarer Priorisierung:

  • Zuerst betroffen: Industrie – Großverbraucher müssen ihren Gasverbrauch drosseln oder einstellen (Alarmstufe und Notfallstufe)
  • Geschützte Kunden: Private Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Polizei, Feuerwehr – diese werden bis zuletzt versorgt

Das bedeutet: Sollten die Füllstände weiter sinken, drohen für die Wirtschaft ernsthafte Konsequenzen. Energieintensive Branchen wie Chemie, Glas, Papier und Metall wären als erste betroffen – Produktionsdrosselungen, Kurzarbeit oder temporäre Betriebsschließungen wären in einem solchen Szenario nicht auszuschließen, mit erheblichen volkswirtschaftlichen Folgen. Private Haushalte hingegen wären gesetzlich besonders geschützt und müssten erst bei einem extremen Versorgungsengpass mit Einschränkungen rechnen.

Die Bundesnetzagentur betont zwar, dass die Versorgung derzeit stabil sei. Doch die Kombination aus niedrigen Speicherständen, technischen Störungen und dem noch nicht beendeten Winter macht deutlich: Das System fährt mit minimaler Reserve.

Was kann die Stromversorgung in Deutschland gefährden?

Ein großflächiger Stromausfall entsteht nie durch einen einzelnen Faktor allein. Meistens sind es mehrere Ereignisse, die sich unglücklich überlagern – ein sogenannter Kaskadeneffekt. Hier sind die wichtigsten Auslöser, die die Stromversorgung in Deutschland gefährden könnten.

Extremwetter: Sturm, Eis, Hitze

Sturmschäden an Leitungen, vereiste Freileitungen im Winter oder extreme Hitze, die Transformatoren überhitzt – Extremwetterereignisse sind der häufigste Auslöser regionaler Ausfälle und können bei ungünstiger Häufung zu großflächigen Problemen führen.

Technisches Versagen und Kaskadeneffekte

Der bislang größte Stromausfall in Europa ereignete sich am 4. November 2006: Als in Deutschland eine Hochspannungsleitung über dem Fluss Ems für eine Kreuzschiff-Überführung der Meyer Werft in Papenburg planmäßig abgeschaltet wurde, kam es zu einer Kettenreaktion – binnen Sekunden wurde halb Europa destabilisiert. Rund 15 Millionen Haushalte in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und anderen Ländern waren ohne Strom. Das Erschreckende: Die Ursache war ein einziger, geplanter Schaltvorgang.

Solche Kaskadeneffekte entstehen, weil das europäische Verbundnetz eng verknüpft ist – ein Vorteil für den Normalbetrieb, ein enormes Risiko im Störungsfall.

Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur

Stromnetze sind heute hochgradig digitalisiert und damit angreifbar. Im Dezember 2015 legte ein Cyberangriff auf ukrainische Energieversorger erstmals Teile der Stromversorgung eines europäischen Landes lahm – rund 225.000 Haushalte waren betroffen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stuft Angriffe auf kritische Infrastruktur in Deutschland als reale und wachsende Bedrohung ein.

Terrorismus und Sabotage

Dass die Strominfrastruktur ein reales Angriffsziel ist, hat der 3. Januar 2026 eindrücklich gezeigt: Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Südwesten legte rund 45.000 Haushalte und über 2.200 Gewerbebetriebe – darunter mehrere Krankenhäuser und Pflegeheime – teilweise für fast eine Woche lahm. Es war der längste Stromausfall in Berlin seit Kriegsende. Die linksextreme „Vulkangruppe“ bekannte sich zur Tat; der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Es war kein Einzelfall: Bereits im September 2025 hatten Brandanschläge auf Strommasten in Berlin-Adlershof Zehntausende Haushalte getroffen. Sicherheitsexperten warnen: Wer mit wenigen Brandsätzen tagelange Ausfälle auslösen kann, liefert gleichzeitig eine Blaupause für weitaus professionellere Angriffe im Rahmen hybrider Kriegsführung.

Sonnenstürme – der unterschätzte Risikofaktor

Das klingt nach Science-Fiction, ist aber physikalisch und historisch belegt: Extreme Sonnenstürme können das Stromnetz zerstören.

Im Jahr 1859 traf das Carrington-Ereignis die Erde – der stärkste jemals dokumentierte Sonnensturm. Damals gab es noch kein Stromnetz, aber Telegrafenleitungen fingen Feuer, Telegrafisten bekamen elektrische Schläge. Wäre ein Ereignis dieser Stärke heute einzutreten, würden laut Wissenschaftlern großflächig Transformatoren und Stromleitungen durch den induzierten Strom zerstört – mit Ausfallzeiten von Monaten bis Jahren, da Hochspannungstransformatoren monatelange Lieferzeiten haben.

Und das ist keine rein theoretische Gefahr: Die Sonne befindet sich gerade im Sonnenmaximum des Zyklus 25. Im Mai 2024 und erneut Anfang 2026 gab es die stärksten Sonnenstürme seit über 20 Jahren – Polarlichter waren bis Südeuropa sichtbar. Auch Satelliten können bei starken Sonnenstürmen vorübergehend in Schutzposition gebracht werden.

Ein Carrington-Ereignis ist unwahrscheinlich – aber nicht unmöglich.

Reale Beispiele aus Deutschland

Berlin erlebte im September 2025 und erneut im Januar 2026 großflächige Stromausfälle, die viele tausende Haushalte und Betriebe für Stunden betrafen. Diese Ereignisse haben das Thema in die breite Öffentlichkeit gebracht – und gezeigt, wie schnell die Normalität endet, wenn der Strom weg ist.

Was passiert bei einem Blackout – und wann wird es wirklich gefährlich?

Die meisten Menschen unterschätzen, wie schnell sich ein längerer Stromausfall zu einer ernsthaften Notlage entwickelt. Das liegt daran, dass unsere gesamte Infrastruktur direkt oder indirekt vom Strom abhängt – und viele Backupsysteme nur für wenige Stunden ausgelegt sind.

Zeitraum Was passiert?
0–1 Stunde Licht, Heizung, Internet fallen aus. Smartphones funktionieren noch. Viele denken: „Kommt gleich wieder.“
1–6 Stunden Mobilfunk-Basisstationen schalten auf Notstrom (Akkus/Diesel), halten aber meist nur 4–8 Stunden. Supermärkte öffnen nicht, Ampeln fallen aus, Tankstellen pumpen nicht (kein Strom für die Pumpen).
6–24 Stunden Mobilfunknetz bricht zusammen. Internet ist weg. Krankenhäuser laufen auf Diesel-Notstrom (begrenzte Reserven). Kühlketten brechen: Lebensmittel in Supermärkten beginnen zu verderben. Erste Versorgungsengpässe.
24–72 Stunden Wasserwerke können Druck nicht mehr aufrechterhalten – kein Wasser mehr aus dem Hahn. Kläranlagen fallen aus. Heizungen (auch Gas!) funktionieren oft nicht ohne Strom. Bargeldversorgung bricht zusammen (Geldautomaten leer). Ernstes Versorgungsproblem.
72+ Stunden Kritische Situation: Krankenhäuser am Limit, Lebensmittelvorräte erschöpft, Brennstoff für Notstromaggregate knapp. Menschen in Pflegeheimen, mit Beatmungsgeräten usw. in akuter Gefahr. Staatliche Nothilfe läuft an – aber ist ebenfalls eingeschränkt.
Blackoput-Zeitstrahl: Was passiert wann?

Vorsicht beim Wiederkommen des Stroms

Ein oft übersehener Aspekt: Nach einem längeren Stromausfall birgt bereits das Wiedereinschalten des Netzes erhebliche Risiken.

Das Problem: Wenn Millionen Geräte gleichzeitig wieder anlaufen (Kühlschränke, Heizungen, Industrieanlagen), entsteht eine massive Überlast auf das Stromnetz. Dieser sogenannte „Einschaltansturm“ kann dazu führen, dass das Netz erneut zusammenbricht. Noch gravierender: Transformatoren, die bereits unter Stress stehen, können durchbrennen.

Die Folge: Das Stromnetz muss nach einem längeren Ausfall schrittweise und kontrolliert wieder hochgefahren werden – Segment für Segment, Verbraucher für Verbraucher. Kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser und Wasserwerke wird zuerst versorgt, private Haushalte kommen zuletzt. Dieser Prozess kann Tage bis Wochen dauern.

Das bedeutet konkret: Nur weil in einem Stadtteil der Strom wieder da ist, heißt das nicht, dass Ihre Straße sofort dran ist. Geduld ist gefragt – überstürztes Zuschalten würde alles nur verschlimmern.

Einordnung: Szenario ist nicht gleich Prognose

Die in diesem Artikel beschriebenen Szenarien – vom mehrtägigen Blackout bis zur kritischen Gasmangellage – sind fundierte Risikoanalysen auf Basis aktueller Daten. Sie sind weder Panikmache noch Gewissheit.

Ob diese Szenarien eintreten, hängt von vielen Faktoren ab:

  • Wie entwickeln sich die Gasspeicher-Füllstände? Momentan sinken sie Richtung 20%, aber weitere LNG-Lieferungen könnten stabilisieren.
  • Wie verläuft das Wetter? Die nächsten Tage werden milder, aber die Heizperiode endet oft erst Ende März oder Anfang April. Ein Kälteeinbruch im März kann noch einmal viele Gigawattstunden aus den Speichern ziehen.
  • Wie schnell werden die Infrastrukturprobleme gelöst? Der defekte Eisbrecher, die US-Lieferverzögerungen – das sind temporäre Störungen, die sich auflösen können.

Dieser Artikel will informieren und sensibilisieren – nicht verängstigen. Denn Vorsorge ist sinnvoll, Panik ist es nicht. Wer die Zusammenhänge versteht, kann sachlich einschätzen und angemessen reagieren!

Broschüre "Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.Stromversorgung in Deutschland

Fazit und weiterführende Informationen

Deutschland steht vor energiepolitischen Herausforderungen, die sich im Winter 2025/26 deutlich zugespitzt haben: historisch niedrige Gasspeicher, alternde Strominfrastruktur, steigende Cyberbedrohungen. Ein flächendeckender, mehrtägiger Blackout bleibt unwahrscheinlich – aber er ist nicht unmöglich.

Die gute Nachricht: Mit etwas Vorbereitung lassen sich die Folgen eines Stromausfalls deutlich abmildern. Die wichtigsten Maßnahmen sind simpel: Wasservorrat, haltbare Lebensmittel, batteriebetriebenes Radio, Taschenlampen, Powerbank.

Notfallvorsorge: BBK-Checkliste auf einen Blick

Wo kann ich mich weiter informieren?

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Offizielle Ratgeber und Checklisten zur Notfallvorsorge – kostenlos als PDF zum Download.

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